Bericht vom 7. Kulturspaziergang zur Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz

Seit längerer Zeit müssen wir beobachten, wie auch in Deutschland rechtspopulistische Parolen sowohl in den Medien als auch in der Bevölkerung salonfähig werden. Diese Entwicklung u.a. hat uns bewogen, das Haus der Wannsee-Konferenz zu besuchen, um dort zu erfahren, wohin Hass, Hetze und Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen führte.

Die Villa ist eine zentrale Gedenk- und Bildungsstätte, da hier am 20. Januar 1942 unter Leitung von Reinhard Heydrich die „Endlösung der Judenfrage“ koordiniert wurde.

Am 24. September 2025 führte Frau Schröder-Isenbeck die Besuchergruppe, zuvor begrüßt von Frau Elisa Stöwahse und Heidi Seegers, Mitarbeiterinnen der Akademie 2. Lebenshälfte im Land Brandenburg e.V., durch das Haus der Wannsee-Konferenz in Berlin.

Die Führung machte die historische Bedeutung des Hauses ebenso deutlich wie die aktuellen Herausforderungen von Erinnerungskultur. Zugleich wurden Biografien, Dokumente und Diskurse vorgestellt, die für das Verständnis von Täterschaft, Opfergeschichte und Nachgeschichte unverzichtbar sind.

Im Anschluss an die Führung wurde in Gesprächsgruppen angeregt diskutiert und die persönlichen Eindrücke reflektiert.

Es entstand u.a. die Frage nach der Verantwortung der Gesellschaft:

Wie konnte eine Bevölkerung die Entrechtung und Ermordung ihrer Mitbürger*innen akzeptieren?

Wie konnte sich Entmenschlichung zuerst ganz langsam und später staatlich sanktioniert ausbreiten? Welche Formen von Widerstand und Mitwisserschaft lassen sich unterscheiden? Wie wirkt das Wissen um Täter, Opfer und Nachgeschichte bis heute in Erinnerungskultur und Demokratieverständnis?

Die Teilnehmenden diskutierten u.a. lebhaft, wie historische Begriffe wie „Volksgemeinschaft“, rassistische Definitionen des Ausschlusses bestimmter Gruppen, auch heute in politischen Debatten kritisch reflektiert werden müssen.

Die Führung vermittelte allen Teilnehmenden eindringlich, dass das Haus der Wannsee-Konferenz nicht nur ein historischer Ort, sondern ein Symbol für bürokratisch organisierte Gewalt ist.

So gelang es, Täterperspektive, Opferzeugnisse und Erinnerungskultur miteinander zu verbinden.

Besonders die Einbeziehung von Biografien, Protokollauszügen, jüdischen Quellen und Nachkriegskontexten zeigte, wie vielschichtig die Auseinandersetzung mit diesem Ort ist.

Die Veranstaltung machte klar: Erinnerung bleibt eine gesellschaftliche Aufgabe, die wachhalten muss, wie leicht eine „neue soziale Normalität“ im Zeichen von Ausgrenzung und Gewalt entstehen kann.
Die Veranstaltung wurde von der Brandenburgischen Landeszentrale für Politische Bildung gefördert.


(Foto H. Seegers)

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