Bei herrlichem Wetter begrüßten wir alle TeilnehmerInnen im Museumsgarten und luden zu einem einführenden Vortrag über Georg Kolbe im Museum ein. Dieses ist im Berliner Westend im denkmalgeschützten Wohn- und Atelierhaus des Bildhauers untergebracht.
Das sachlich gestaltete, vom Bauhaus inspirierte Ensemble stammt aus dem Jahr 1928 und verfügt über einen innenliegenden Skulpturengarten. Die 1950 gegründete Stiftung widmet sich der Erschließung, Bewahrung und Vermittlung von Kolbes künstlerischem Nachlass und versteht sich heute zugleich als Ort für Begegnung, Austausch und Forschung.
Auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Ruhms im Jahr 1927 blickte Kolbe (1877-1947) bereits auf verschiedene Lebens- und Schaffensperioden zurück, die ihn geprägt hatten. Ein inspirierender Aufenthalt in Ägypten sowie die Verleihung des Professorentitels durch das preußische Kultusministerium markierten wichtige Stationen seines Erfolgs.
Hinzu kam der bedeutende Auftrag, den von Mies van der Rohe entworfenen Pavillon der Weltausstellung in Barcelona mit Gipsplastiken auszugestalten. Dennoch zog er sich aus dem lebendigen Künstlerviertel zurück, in dem sich auch sein Atelier im damals exklusiven Tiergarten befand.
Er hatte seine Ehefrau Benjamine und seinen Galeristenfreund und Kunsthändler Paul Cassirer an den Tod verloren und ließ sich ein Atelierhaus im Berliner Westend, in der Sensburger Allee errichten, das er „meine Sensburg“ nannte.
Hier verarbeitete er seine Trauer, deren Ergebnis eine produktive und besondere Schaffensphase wurde und seine berühmtesten Plastiken hervorbrachte. Sein Schaffensergebnis wird teilweise von der Nähe zur NSDAP überschattet, jedoch wurde und wird er als Person in wahrer humanistisch-realistischer Tradition und als Künstler in beiden deutschen Staaten gleichermaßen geschätzt.
Durch einen Kurzvortrag vor Ort und die Besichtigung seiner Atelierräume, welche derzeit u.a. Installationen der Künstlerin Leonor Antunes und ausgewählte Werke von Marlow Moss beherbergen, erhielten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich selbst ein Bild von der Arbeit des Künstlers und der Gebäudearchitektur zu machen.
Im Anschluss nutzten die BesucherInnen die Möglichkeit im Café Benjamine und dem dazugehörenden Garten die erlebten Eindrücke auszutauschen und eine Erfrischung zu sich zu nehmen.
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© Fotos: H. Seegers





