Bei einer Führung am Mi., den 21.10.2026 durch das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin lernten wir die bewegte Geschichte dieses besonderen Ortes, seine außergewöhnliche Architektur und die Ideen kennen, die seine Arbeit bis heute prägen.
Der Standort im Berliner Tiergarten, ehemals „In den Zelten“, blickt auf eine wechselvolle Vergangenheit zurück: Von politischen Versammlungen während der Revolution von 1848/49 über das 1919 von Magnus Hirschfeld gegründete Institut für Sexualwissenschaft In den Zelten 10 bis hin zu den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg spiegelt sich hier ein bedeutendes Stück Berliner Geschichte wider.
Die Kongresshalle – Das von Hugh Stubbins entworfene Gebäude, im Volksmund „Schwangere Auster“ genannt, wurde 1957 eröffnet und war ein Geschenk der USA an West-Berlin als US-amerikanischer Beitrag zur „Interbau“.
Mit seiner modernen Architektur sollte es ein Symbol für Freiheit, Demokratie und den internationalen Austausch sein.
Nach einem tragischen Dacheinsturz 1980 wurde das Gebäude wiederaufgebaut und 1987 erneut eröffnet. Es erhielt seine heutige Funktion als Haus der Kulturen der Welt und entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum für den Austausch zwischen Kulturen und Gesellschaften.
Bei unserer Führung erhielten wir einen Einblick in diesen besonderen Ort und lernten den geschichtlichen Kontext, die Architektur, die Konzeption, die Ideen und Visionen kennen, die dieses Haus prägen.
Heute steht das HKW für Begegnung, Vielfalt und Perspektivwechsel und lädt dazu ein, unterschiedliche Wissensformen, Lebensweisen und Weltvorstellungen kennenzulernen.
Der Leitgedanke „Tout Moun Se Moun – Jeder Mensch ist ein Mensch“ steht dabei für ein respektvolles Zusammenleben aller Menschen und Lebensformen.
Eindrucksvoll war auch die Ausstellung „Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis“, die als Berlin Edition die 36. Biennale von São Paulo komprimiert aufgreift. Mit Installationen, Performances, Klangkunst und Erzählungen setzen sich die Künstler*innen mit kolonialen Kontinuitäten, Entmenschlichung und der Ausbeutung der Natur auseinander. Gleichzeitig eröffnet die Ausstellung Raum für Freude, Fantasie und neue Vorstellungen eines gemeinsamen Lebens.
Der Besuch zeigte uns, wie Kultur zum Nachdenken, zum Austausch und zum Perspektivwechsel anregen kann. Er machte deutlich, wie wichtig es ist, vielfältige Erfahrungen anzuerkennen und unser Zusammenleben gemeinsam und respektvoll zu gestalten.
Das beeindruckende Haus und sein Programm machte uns vielfältige Geschichten und Erfahrungen sichtbar und lud zu Diskussionen ein, Kultur nicht als etwas Fremdes oder Unveränderliches zu betrachten, sondern als lebendigen Prozess, der unser Zusammenleben stetig prägt und verändert.
Die Veranstaltung wurde von der Brandenburgischen Landeszentrale für Politische Bildung gefördert.
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© Fotos: Heidi Seegers




